Die Krux mit dem Genre.

"Genre? Muss ich mich darauf einlassen? Ich schreibe was ich will. Etwas ganz Neues, das es noch nie gegeben hat. Ich zwänge meinen Text nicht in eine Kategorie. Auf keinen Fall!"

Hmm... Wenn es so einfach wäre. Das Genre ist ein Korsett, das man sich als Jungautor aufbürden sollte. Und es macht manchmal durchaus Sinn.

Leider habe ich mir bei meinem ersten Buch kaum Gedanken über das Genre gemacht. Action sollte es haben, Spannung, eine starke Liebesgeschichte, gesellschaftskritisch sollte es auch sein, die Charaktere sollten wachsen. Alles gut und schön. Durchaus auch gut zu lesen. Aber welchem Genre sollte ich mein Manuskript zuordnen? Ein Thriller? Ein Liebesroman? Ein Abenteuerroman? Oder doch eher Krimi? Die Probleme begannen, als ich das Exposé verfasste um den Agenturen und Verlagen mein Buch schmackhaft zu machen. Die wollten alle das Genre klar definiert haben.

Mist. Ich konnte das Manuskript bis heute nicht verkaufen.

 

Was habe ich daraus gelernt? Will ich ein Buch schreiben, als erstes das Genres definieren. Und es am besten ausgedruckt in schwarzen Lettern über dem Computer an die Wand Nageln. Nie aus den Augen lassen! Ist das Genre definiert, dazu stehen. Es ist wie ein Anker, während des langen Schreibprozesses. Will ich einen Thriller schreiben und bemerke nach zweihundert Seiten, dass die Liebesgeschichte darin Überhand gewinnt, sofort hinsetzen und über den Plot gehen. Ich will hier nicht behaupten, dass es nicht vorkommen kann, dass aus einem Thriller-Projekt schlussendlich eine Liebesgeschichte wird. Kann passieren. Aber dann muss man seine geschriebenen Seiten überdenken und dem neuen Genre anpassen.

Mein zweites Projekt sollte in Krimi werden. Daran habe ich mich gehalten. Und tatsächlich, den konnte ich verkaufen.

 

Weshab ist das Genre also für einen Jungautor so wichtig? Ganz einfach: Die Chancen, dass ein Verlag ein Manuskript veröffentlicht, welches keinem klaren Genre zuordnen ist, sind sehr, sehr gering. In welchem Regal in den Buchläden sollte denn das Buch enden?

So sehr man als Autor ein Künstler sein möchte, darf man doch das Business nicht vernachlässigen, will man auch erflogreich verkaufen.

 

Das genrebezogene Schreiben hat durchaus seine Vorteile: die Struktur ist vordefiniert. Das macht es manchmal einfacher. Ein Krimi beginnt fast ausnahmslos mit einem Verbrechen. Bei einer Liebesgeschichte ist das Paar getrennt und muss zueinander finden. Bei einem Abenteuerroman müssen viele Hindernisse überwunden werden um ein Ziel (meistens ein Schatz) zu erreichen.

 

Ich will jetzt nicht zu sehr auf die einzelnen Genres eingehen, das würde den Rahmen sprengen. Mein Tipp: das schreiben, was man liest. Da hat man den Instinkt für den Aufbau der Geschichte. Was steht also bei euch in den Bücherregalen?

Jeder hat sein Lieblingsgenre. Und mit diesem solltet ihr beginnen.

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