Bechdel und die Frauen

Ich lerne immer wider dazu! Am Literaturfest Luzern hat mir meine liebe Autorenkollegin Claudia Rusch vom Bechdel-Test erzählt. Klar habe ich ihn gleich gegoogelt. Und war schockiert. Schockiert über meine eigenen Krimis und die Rolle der Frau darin. Nein, eine Feministin bin ich eher nicht, aber Gleichberechtigung muss schon sein. Und da kommt Bechdel ins Spiel. Ich werde nie mehr ein Buch ohne ihn schreiben ...

 

Wer ist denn Bechdel? Nun, Alison Bechdel ist eine Frau. Sie ist eine amerikanische Cartoon-Zeichnerin und Autorin. 1985 hat sie in ihrem humoristischen Comic-Strip 'Dykes to Watch Out For' drei einfache Regeln aufgestellt, um herauszufinden, ob ein Film frauenfreundlich ist (und das gilt natürlich auch für das Buch!).


1) Es müssen mindestens zwei Frauen (mit Namen) darin vorkommen
2) Mindestens zwei Frauen müssen miteinander reden (keine Einzeiler!)
3) Es muss in diesem Gespräch (mindestens) ein anderes Thema geben als Männer.

 

Es ist erschreckend, wie viele Filme (und Bücher) bei diesem einfachen Test durchfallen!

 

Hier ein paar Beispiele.

Durchgefallen: Forrest Gump, Slumdog Millionär, Avatar-Aufbruch nach Pandora, Herr der Ringe I-III

Bestanden:     Thelma & Louise, Ben Hur, Der englische Patient, Pulp Fiction

 

Wo ist da die Gleichheit zwischen Mann und Frau? Oder kann man sich einen Film/ein Buch vorstellen, in welchem nie zwei Männer miteinander reden? Es wäre wohl schwierig, so einen Film/ein Buch zu finden.

Und genau an dieser Stelle muss ich mich selber strafen. Wie viele Szenen habe ich (als Frau!) denn geschrieben, in denen nur Frauen miteinander reden?

In Liebe, Sünde, Tod gibt es die Szene mit Lila und Aygül. Sie sprechen zwar auch über Männer, aber ebenfalls über Lilas Vergangenheit! Test bestanden (geradeso).

In Himmel, Hölle, Mensch gibt es das Verhör zwischen Barbara und Sonja. Sie sprechen über den Toten, einen jungen, nackten Mann. Zählt das jetzt. Na ja ...

Obwohl in meiner Krimi-Reihe drei starke Frauen vorkommen - Lila, Eva und Barbara - ist es doch erschreckend zu realisieren, wie wenig die Frauen untereinander kommunizieren! Warum eigentlich? Cem führt doch auch regelmässig Gespräche mit Kevin.

Weshalb ist das so? Sind Filme/Bücher ein Spiegel der realen Gesellschaft? Diskutieren im Leben ausschliesslich Männer über weltliche Themen, während wir Frauen nur über die Männer plappern? Nein, ich denke (oder hoffe?) nicht! Das wäre ja erbärmlich. Warum also schenken wir den Männern diese riesige Plattform in Filmen und Büchern, während wir die Frauen auf Blabla reduzieren (wenn überhaupt)?

Ich hoffe, das kommt jetzt nicht allzu feministisch rüber, aber Gerechtigkeit muss sein!

Mein Fazit: in Zukunft Filme schauen mit Bechdel im Hinterkopf. Und ganz wichtig: jedes meiner Manuskripte dem Bechdel-Test unterziehen und nur wenn es den besteht, an den Verlag senden. Und ich bin mir fast sicher, die Bücher werden dadurch noch besser, ehrlicher, fairer und realitätsnäher.

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