Rechtschreibung, Kommaregel und unrealistische Zeitreisen

Braucht es denn ein Lektorat? Die Frage ist mir bei meinen Lesungen überraschend oft gestellt worden. Und hier mein Antwort: Ja!!!

Qualität geht ohne Lektorat nicht. Idealerweise folgen auf das Lektorat auch gleich noch ein bis zwei Korrektorate. Ja, ja, die Entstehung eines Buches ist ein laaaanger Prozess.  Aber von vorn ...

Viele, die schreiben möchten sind gehemmt (ging mir jedenfalls so): Wie war das mit der alten und neuen Rechtschreibung? Kann ich mich noch an die Kommaregeln erinnern? Was sind noch gleich Adverbien?

Als Autor sollte man sein Handwerk schon beherrschen, die Fälle kennen und sich sicher in den Zeiten bewegen. Es gibt ja auch genügend Fachliteratur zu Deutscher Grammatik und Rechtschreibung. Aber eben, perfekt ist niemand. Und nicht alle Autoren haben Germanistik studiert.  Schreibt man also ein Manuskript und kann es an einen seriösen Verlag verkaufen, dann sieht man sich bald mit einer Lektorin konfrontiert.

Vorneweg, meine Lektorin ist toll! Und ich liebe es, mit ihr zu arbeiten. Aber es soll Autoren geben, die da oft etwas pickiert reagieren. Schliesslich kommt da eine Person, die man persönlich oft nicht kennt, und streicht viele, viele Stellen im Manuskript rot an. Es gibt kaum eine Seite, die nicht markiert wird. Werden Rechtschreibefehler korriegiert, hat der Autor meist kein Problem. Aber Rechtschreibung ist nicht die Kernaufgabe der Lektorin. Sie prüft Fakten nach (z. B. Strassennamen, korrekte Bezeichnung der Saiten einer Geige, Sonneneinstrahlung in der Luzerner Altstadt im Sommer um 21.00 Uhr ect.), sie achtet peinlich genau auf die zeitliche Abfolge der Szenen (die kommen schon mal durcheinander, wenn der Autor Szenen umschreibt oder verschiebt) und sie kontrolliert, ob eine Handlung logisch ist (Cheminéefeuer im Sommer, Wutausbruch eines Charakters ect.). Aber die Lektorin markiert nur und weisst auf Fehler hin, das Umschreiben ist dann alleine die Aufgabe des Autors (und nicht immer sind sich Autor und Lektorin einig :-))

Nach dem Lektorat kommt das Manuskript dann ins Lektorat. Dort wird fast ausschliesslich auf die Rechtschreibung und auf Wortwiederholungen geachtet. Manchmal muss man noch ein paar Zeilen streichen oder einfügen, damit das Manuskript für den Druck richtig gesetzt werden kann. Hier nennt man das Manuskript 'Druckfahne', da es für den Druck bereit ist.

Ihr seht, die kreative Arbeit, ein Buch zu schreiben ist eher der kleinere Teil im Alltag eines Autors. Viel Zeit wird in Überarbeiten und nochmals Übearbeiten und wieder Überarbeiten investiert. Aber es lohnt sich, wenn man nach einem Jahr endlich sein eigenes Buch in den Buchläden findet.

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